Es geht los: Christian fing wieder mit dem Sport an

Wie ich wegen einer Sucht schon 28 Kilo abgenommen habe

Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass mich etwas so in den Griff bekommt und einnimmt. Ich hätte es auch nie für möglich gehalten, dass ich mal so süchtig nach etwas bin, dass es mir nicht wirklich gut geht wenn ich die Sucht nicht befriedige. Ich bin süchtig. Und das hat mir einen Gewichtsverlust von 28 Kilo eingebracht.

Wer mich kennt, kennt mich als „Kugel“. So drücke ich es immer lieb aus. Ich war immer schon übergewichtig, ich nenne es gerne fett. Ich hab auch nie wirklich über mein Gewicht geredet, eine genaue Zahl habe ich nie genannt – nur meinen engsten Freunden. Heute kann ich darüber reden: Mein höchstes Gewicht lag bei 123,8 Kilogramm.

Gymlife: Von der Kugel zum Muskelberg?
Gymlife: Von der Kugel zum Muskelberg?

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Sind wir mal ehrlich: Essen ist geil. Ich habe schon immer gerne gegessen und auch gutes Essen wertgeschätzt. Und ich konnte manchmal echt schwer aufhören zu essen wenn es lecker war. Aber auch dieses „schlechte“ Essen wie Pizza, Burger und der ganze Fast-Food Kram standen auf meiner wöchentlichen Liste. Ich fand es einfach lecker.

Wenn man sich aber davon ernährt, kein Sport macht und auch sonst ein eher „ruhiges“ Leben führt, dann passiert folgendes: Der Körper bekommt mehr Energie als er verbrennt und speichert sie in Form von Fettreserven am Körper. Und davon hatte ich eine ganze Menge. Ich hatte einen KFA (Köperfettanteil) von 36%, was bei mir einen Anteil in KG von ganzen 44,6 Kilogramm ausmachte. Aber beginnen wir woanders. Viel früher.

Früher habe ich Fussball gespielt. Da war ich auch schon dick. Aber ich habe mich bewegt. Ich weiß gar nicht mehr in welchem Alter ich genau gespielt habe, aber es waren schon einige Jahre. Im Alter von 15 Jahren habe ich dann aufgehört. Und dann kam der Aufzug des Zunehmens: Keine Bewegung mehr, mehr Zeit was gleich mehr Zeit für Essen bedeutet. Und ich war in einem Alter, wo es langsam mit den Partys losging, man einen Nebenjob neben der Schule hatte und somit auch Geld in der Tasche um sich das Fast Food zu kaufen. Schnell ging es mit meinem Gewicht bergauf. Und mich hat es nicht gejuckt. Wieso denn auch? Und so habe ich viele Jahre gelebt. Klar: Ab und zu bin ich mit Freunden Fussballspielen gegangen, aber das bisschen Bewegung bringt das ganze Fast Food jetzt auch nicht zum schmelzen.

Irgendwann fing es langsam an bei mir Klick zu machen, ich ging ab und zu joggen. Aber lange hat das bei mir nicht angehalten. Ich konnte mich dazu einfach nicht motivieren. Bis ich dann 2013 auf anderem Weg angefangen habe: Ich war mittlerweile mit meiner Ausbildung zum Industriemechaniker fertig, war in die Online-Marketing Branche gewechselt und saß den ganzen Tag im Büro. Es musste ein Ausgleich her. Also meldete ich mich in einem Fitnessstudio an und ging täglich vor der Arbeit auf dem Laufband joggen. Erst konnte ich nichtmal einen Kilometer aushalten, dann irgendwann schaffte ich 5 Kilometer am Stück, dann waren es 10 Kilometer.

Und dann? Dann wurde ich 2014 selbstständig, arbeitete von zu Hause aus und bin auch in Wuppertal mehrmals die Woche ins Studio gegangen. Bis ich durch private Probleme dermaßen zurückgeworfen wurde, dass ich nicht mehr gegangen bin. Ich hatte einfach keinen Bock.

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Wir schreiben nun Februar 2016. Bis dahin habe ich keinen Sport mehr gemacht. Es war die Zeit in der ich 123,8 Kilogramm (laut eigener Waage zu Hause) gewogen habe. Ich war wieder einmal mit einem sehr guten Freund von mir unterwegs, als uns beiden die Idee kam, wir schauen mal was der Sportpark in Wuppertal so anbietet. Also rein da. Und ehe wir uns versahen haben wir uns angemeldet. Wir hatten schon Bock etwas zu tun. Das lustige: Was ich zu viel hatte, hatte Timmy zu wenig. Also hatten wir uns angemeldet. Was sollte schon schief gehen? Wenn wir keinen Bock mehr haben, können wir monatlich kündigen.

Ich erinnere mich noch, es war Freitags als wir uns angemeldet hatten. Am gleichen Abend bin ich noch feiern gegangen und war extrem motiviert das ganze durchzuziehen. Einfach etwas für die Gesundheit tun und dabei vielleicht sogar noch abnehmen. Denn eigentlich hatte mir Sport immer Spaß gemacht – aber ich hatte oftmals einfach keinen Bock auf den Muskelkater, auf die Schmerzen und zu schwitzen.

Es geht los: Christian fing wieder mit dem Sport an
Es geht los: Christian fing wieder mit dem Sport an

Montags ging es dann los: Wir haben uns an ein paar Geräten probiert ein wenig trainiert (wenn ich heute über das erste Training nachdenke bekomme ich echt einen Lachanfall). Und direkt einen Termin mit einer Trainerin ausgemacht, die uns einen Trainingsplan machen sollte.

Eine Woche später war es dann soweit und wir hatten das Gespräch mit Kati, einer Trainerin aus dem Sportpark, die ich mittlerweile „meine Trainerin“ nenne. Wir haben einen Plan bekommen, der unser ganzen Körper trainieren sollte. 3x die Woche, jede Einheit immer das gleiche. Nachdem wir den Plan hatten, wurden wir gewogen. Hier meine Werte:

  • 123kg Gesamtgewicht (0,8kg unterschied von zu Hause)
  • KFA: 36,3% = 44,6kg
  • Fettfreier Anteil: 78,4kg

Ich hatte so viel Fett, ich war schon außerhalb der Skala. Wie krass! Die messen da im Gym nämlich einen und speichern deine Werte für spätere vergleiche ab. Und gleich seht ihr auch meine Skala (weiter unten).

Dann ging es los: Wir machten dreimal wöchentlich unsere Übungen, ich schaute dass ich weniger gegessen habe und fertig. Und es kam wie es kommen musste: Ich habe 6kg abgenommen. Nach 2 Monaten haben wir uns wieder Messen lassen (wir machen das jetzt alle 2 Monate!) und haben die Werte gesehen:

  • Gesamtgewicht: 117,3
  • KFA: 34,3% = 40,2kg
  • Fettfreier Anteil: 77,1kg

Ich war übertrieben motiviert. Wir bekamen nun einen neuen Trainingsplan und ich wollte mehr. Ich wurde langsam aber sicher süchtig nach dem Sport. Und ich habe mich informiert über Ernährung und für mich eine Diät gefunden, die wunderbar klappt: Die sogenannte Ketogene Diät. Das bedeutet: Kaum Kohlenhydrate dafür viel Eiweiss. Und so habe ich mich ab diesen Tag auch ernährt. Heute ist meine Ernährung auf ein minimum gesunken:

  • Morgens: 1 Eiweiss-Shake von ZecPlus
  • Mittags: 1x 250g Magerquark (ja, direkt aus der Packung!)
  • Abends: 1x 100g Packung Finesse Putenbrust (auch aus der Packung)
  • Später am Abend: 1 Eiweiss-Shake von ZecPlus

Damit habe ich viele Proteine in mir aber wenig Kohlenhydrate. Wo keine Kohlenhydrate sind, muss der Körper nämlich auf etwas anderes als Energiequelle zurückgreifen: Auf das Körperfett. Und davon hab ich genug.

Magerquark: Erst ekelhaft, aber man gewöhnt sich dran!
Magerquark: Erst ekelhaft, aber man gewöhnt sich dran!

In Verbindung mit Sport habe ich dann auch extreme erfolge erzielt. Und weil Zahlen nicht lügen, hier mal das Messergebnis von der dritten Messung:

  • Gesamtgewicht: 107,5kg
  • KFA: 30,5% = 32,8kg
  • Fettfreier Anteil: 74,7kg

Einfach mal eben 10kg in 2 Monaten abgenommen. Und von diesen 10 Kilo, die im Gesamtgewicht runter waren, waren ganze 8 Kilo nur Körperfett! Und das erste mal war ich nun innerhalb der Skala, die von den Trainern da aufgezeigt werden. Zwar ganz am Rand, aber ich war drin. Geiles Gefühl.

Eigentlich kann man sich jetzt ausrechnen wie es weiter ging. Klar: Ich habe hier und dort mal einen Cheatday eingebaut, aber ich habe versucht so wenig wie möglich davon zu haben. Manche reden immer von „einmal wöchentlich braucht man einen Cheatday“. PF! Paperlapapp! Ich habe einfach mal 3 Wochen meine Diät am Stück durchgezogen ohne einen einzigen Cheatday. Dafür ist der eine Tag dann umso geiler!!

Die vierte Messung war dann die Messung, die zuletzt da war. Die mich auch fast an die Tränen gebracht hat: Ich war nun nämlich unter 100 Kilo, der magischen Grenze die man sich automatisch im Kopf festlegt. Ich war auf 98,1 Kilo.

  • Gesamtgewicht: 98,1kg
  • KFA: 26% = 25,5kg
  • Fettfreier Anteil: 72,6kg

Jaman!! Endlich unter 100 Kilo. Damit hatte ich 25 Kilo abgenommen. Nimm mal einer von euch eine 25 Kilo-Hantel in die Hand und sag mir, dass das kein krasses Gewicht ist. Man muss sich einfach nur vorstellen, dass meine Gelenke dieses zusätzliche Gewicht tragen mussten.

Ich hab es geschafft: Der Körperfettanteil wurd immer weniger
Ich hab es geschafft: Der Körperfettanteil wurd immer weniger

Trotzdem immer weiter. Nun ist es eine Sucht

Zwischen der dritten und der vierten Messung habe ich auch wieder rund 10 Kilo verloren. Sie lagen aber auch keine 2 Monate auseinander, sondern nu 1 Monat und 12 Tage ca. Das liegt daran, dass meine Trainerin in ihren wohlverdienten Urlaub gehen wollte und ich brauchte nun ein Gewicht welches ich halten musste. Denn ich brauchte einen Anzug. Meine Schwester heiratet demnächst und ich wollte einen Anzug der perfekt sitzt – und wenn ich dann noch weiter abnehmen würde, würde er vielleicht nicht mehr perfekt sitzen.

Außerdem habe ich nach der dritten Messung (ich war immer alleine Unterwegs, mein guter Freund hatte andere sorgen) einen anderen Trainingsplan bekommen: Einen Split-Plan. 3x die Woche Krafttraining verschiedener Muskelgruppen +  einen Cardio-Tag wöchentlich. Also war ich nun 4x wöchentlich im Sportpark.

Auch wenn ich den Anzug nun gekauft und hier liegen habe, kann ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden das ganze zu pausieren und nicht mehr abzunehmen. Es sind ja noch 2 Wochen bis zur Hochzeit. Klar: Ich würde Gefahr laufen, dass der Anzug nicht mehr sitzt. Aber da kann ich mir ne Woche vorher auch einfach eine neue Hose und ein neues Hemd holen – je nachdem was ich brauche. Bisher musste ja am Anzug auch nichts geändert werden.

Mr. Untouchable: Christian braucht einen Anzug
Mr. Untouchable: Christian braucht einen Anzug

Die Sucht trieb mich dazu nicht nur den Sport weiter zu machen, sondern auch die Diät. Ein wenig gelockert natürlich. Nun versuche ich 1-2x in der Woche Mittags etwas warmes zu essen. Das ist für mich wieder eine Umstellung. Aber ich verliere trotzdem Gewicht. Denn ich habe ausreichend Bewegung, ich belaste meinen Körper, verzichte beim Mittagessen auf Süßgetränke (Stilles Wasser FTW!) und versuche trotzdem genug Proteine zu mir zu nehmen.

Wenn man mich heute auf die Waage stellen würde, hätte ich schon wieder etwas runter. Denn meine Waage hier zu Hause sagte mir heute morgen: 95,7. Das bedeutet, ich bin bei einem verlorenen Gesamtgewicht von -28kg. Und somit stehe ich kurz von den 30 Kilogramm. Die ich nun auch versuche vor der Hochzeit meiner Schwester noch zu erreichen. Ich will mir nichts vormachen, aber die 90kg werde ich vor der Hochzeit in 2 Wochen wahrscheinlich nicht schaffen. Aber dennoch: Ich bin auf einem Level, welches ich noch nie hatte. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie stolz ich bin.

Ich gehe wirklich 4x die Woche ins Studio. Und letztens kam es fast dazu, dass ich hätte einen Tag sausen lassen: Wir wollten nach Belgien fahren um Lost Places aufzusuchen und zu fotografieren. Dafür braucht man Zeit. Meine Idee: Dann lässt man einfach den Cardio-Day weg.

Aber ich habe es nicht übers Herz gebracht. Einen Tag ausfallen lassen? Niemals. Kommt für mich nur in Frage wenn ich Krank bin oder beruflich verreisen muss. Also haben wir uns einfach einen Lost Place in der Umgebung gesucht, damit wir später losfahren können und ich meine 8 Kilometer auf dem Laufband laufe.

Das ganze hat aber auch folgen

Ich sag euch eins: Ihr könnt euch in meine Lage nicht reinversetzen. Ich höre ständig Leute sagen die mir erzählen wollen dass meine Diät nicht gesund ist. Natürlich schaffe ich ein extremes Defizit an Kalorien und auch an Kohlehydraten, aber es funktioniert. Ich habe gelernt zu essen um mich zu ernähren und nicht weil es mir schmeckt. Der Zweck und die Mittel. Ihr wisst schon 😉

Ich fühlte mich bisher nur 1-2 Tage nach den Cheatdays schlapp, weil ich meinem Körper erst enorm gegeben habe und ihm dann entzogen habe. Ist doch klar dass er dann meckert. Diese Zeiten versuchte ich auch immer zu Hause zu bleiben. Damit ich einfach niemanden auf den Sack gehe mit meiner schlechten Laune, die dadurch resultierte.

Aber ihr müsst euch auch eingestehen, dass dazu ein riesiges Durchhaltevermögen an den Tag gelegt werden musste. So eine Diät fordert dich, obwohl es irgendwie doch zu einem Selbstläufer wurde.

Wenn man sich mit Freunden zu Kaffee trinken verabredet, trinkst du halt keinen Kaffee, sondern Wasser. Während deine Freunde im Mcces sitzen und sich da die Burger reindonnern, sitzt du mit deinem stillen Wasser daneben. Und so weiter. Das habe ich verdammt nochmal durchgehalten und wurde damit auf der Waage belohnt. Und darauf bin ich scheisse Stolz.

Es hat aber auch ganz andere folgen wenn man so rapide abnimmt wie ich: Du hängst oft in der Stadt und musst ständig neue Klamotten kaufen. Ich habe nun durch dem verlorenen Umfang 2 Hosennummern kleiner (die dritte steht bevor). Mein bester Freund meinte mal zu mir, dass man mittlerweile jede Woche mit mir in der Stadt ist um neue Hosen zu kaufen. Ja, kann sein, aber es sind nicht nur Hosen. Ich weiß noch, als ich mir – ich glaube es war bei der zweiten Messung – ein Polo-Shirt von Tommy Hilfiger gekauft habe. In XXL. 2 Monate später habe ich mir das gleiche nochmal gekauft – aber in XL, weil die XXL-Version wie ein Sack an mir runter hängt.

Wenn man so viel abnimmt, was definitiv eine geile Sache ist, muss man schon in Kauf nehmen, dass man sich ständig neue Kleidung kaufen muss, damit man nicht aussieht wie jemand der die Shirts seines großen Bruders tragen muss. Und das kostet nunmal viel Geld. Geld, was ich aber gerne ausgebe, da man sich freut wieder eine Nummer kleiner tragen zu können.

Heute gehe ich 4x pro Woche ins Fitness-Studio
Heute gehe ich 4x pro Woche ins Fitness-Studio

Ich will keine Anerkennung, ich will euch motivieren

Ich schreibe dass hier gar nicht weil ich will das ihr schreibt „Krasse Sache“ oder so. Ich habe gestern einen Post auf Facebook gesehen, indem jemand meinte er bräuchte einen Arschtritt und wolle sich mehr bewegen. Er fragte nach Apps die dabei behilflich sein können. Ich kann von mir aus nur eins sagen: Keine App der Welt schafft es dir so einen Arschtritt zu geben wie dein Kopf! Wenn es im Kopf nicht klick macht, hilft auch die beste App der Welt nichts.

Vielleicht ist der ein oder andere von euch selber an einem Punkt an dem er sagt: „Ich habe zu viel auf den Rippen“ und nicht weiß wie es weitergeht. Ganz einfach: Machen statt reden. Sport ist anstrengend, ja, aber mittlerweile habe ich den Muskelkater (der übrigens irgendwann nicht mehr ganz so stark ist wie bei den ersten Trainingseinheiten) lieben gelernt. Das schwitzen lieben gelernt. Die Anstrengung lieben gelernt. Ich kann nicht mehr ohne Sport. Und glaubt mir: Wenn ihr die ersten erfolge seht, werdet ihr auch süchtig. Dann wollt ihr gar nicht mehr ohne Sport.

Ich will euch motivieren: Alles ist möglich. Du kannst alles schaffen was du kannst.

Es ist nur nötig, dass man sich selber ein Ziel setzt und dieses auch im Kopf verfolgt. Es muss Klick machen im Kopf.

In diesem Sinne: Ich gehe jetzt gleich ne Runde laufen (Donnerstags ist Cadio-Tag) und dann gibt es einen leckeren Eiweiss-Shake von ZecPlus (Whey Isolat kann ich empfehlen. Am geilsten ist die Geschmacksrichtung Erdbeere!!). Und dann wird gearbeitet.

Ich wünsch euch einen schönen Tag!

Mr. Nice Guy.
Mr. Nice Guy.

2 Gedanken zu „Wie ich wegen einer Sucht schon 28 Kilo abgenommen habe“

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